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Die WG

Kapitel 1 - 20 / 152

iris raya ko.
16.10.2001,
18:38:16
Die WG... für alle, die Lust am mitschreiben haben.
Diejenigen, die noch nicht drin wohnen, können jederzeit einziehen.



Das letzte Haus in der Südstrasse, direkt am Stadtrand war außergewöhnlich groß. Gebaut aus massiven Stein, irgendwann in den Fünfzigern, abgegrenzt von einem wilden Garten mit mickrigen Obstbäumen, einem rostbraunen Dach und mit vielen Fenstern, welche, wie man auf den ersten Blick sehen konnte, erst vor kurzer zeit eingebaut wurden waren.
Ebenso die dunkelblaue Haustür, die immer für Freunde und Bekannte offen stand.
Drinnen fand man sich direkt in der Küche wieder, der Mittelpunkt des Hauses und zugleich der größte Raum. Am Fenster stand ein gewaltiger Tisch mit mindestens zehn Stühlen und wenn man eng zusammen rückte, würden noch weitere dran passen. Am Tisch vorbei gelangte man zu einer, in den zweiten Stock führende, Treppe. Dahinter versteckt standen Waschmaschine und Wäschetrockner, zwei Geräte, die Tag und Nacht zu laufen schienen. An der Wand, gegenüber der Haustür, gingen nur Türen ab. Zum Badzimmer, zur Toilette, hinunter in den Keller und in den Garten hinaus.
An der rechten Wand standen die Küchenschränke. Keine moderne Hightech Küche, sondern bunt zusammengewürfelt und nur zur Verwendung gedacht.
Diese Küche diente eben nicht nur zum kochen und essen, sondern auch für Zusammenkünfte, zum Meinungsaustausch oder für wichtige Besprechungen.
Über die Treppe kam man in einen winzigen Gang, von dem es zu weiteren fünf Zimmern ging und zu einer zweiten Toilette. Am anderen Ende des Flurs gab es wiederum eine schmalere Holztreppe, die ins Dachgeschoss führte, wo es zu den restlichen Zimmern ging.
Die unteren Räume wurden von Carl, Chrizzy, Backy, Frauke und Iris genutzt, die seit geraumer Zeit, hier als Wohngemeinschaft zusammen lebten.
Sie verstanden sich meistens sehr gut miteinander, doch wie überall, gab es auch unter ihnen Meinungsverschiedenheiten, Diskussionen und manchmal auch Streit.
Momentan jedoch waren sie alle gespannt und die große Küche wurde als Begrüßungsraum benutzt. Heute sollten sie zwei neue Mitbewohner bekommen: Andrea und Tom.
Noch kannte niemand von den Hausbewohnern das junge Paar und alle waren neugierig, wie sie wohl sein mochten.
Gerade eben hielt ein Auto am Gartenzaun und die Fünf reckten ihre Hälse, damit sie besser sehen konnten. Gleich würden sie sich einander vorstellen müssen.

Carl, der...
16.10.2001,
18:58:17
''IRIS!'' rief Carl schmerzerfüllt. wenn du mir heute noch ein einziges Mal vors Schienbein trittst, dann..., dann... Echt! Dann... och Mensch Christoph, sag du doch auch mal was!''

Chrizzy
16.10.2001,
19:44:32
Chrizzy drehte sich gelassen eine Kippe. Zum Glück, dachte er, sind hier alle Raucher. Ob die neuen Raucher sind? Chrizzy interessierten immer nur solche ''Nebensächlichkeiten'', wie die Frauen in der WG sagten.
In dem Moment, als der Wagen vorfuhr, stürmten die anderen zur Begrüßung hinaus.
Wer blieb sitzen? Chrizzy.
Er hatte sogar sowenig Manieren, daß er erst mal zum pennen auf sein Zimmer ging.
Wie gesagt, die ''nebensächlichen'' Bedürfnisse waren Chrizzy immer wichtig.
Schließlich hatte er heute mal wieder schwer im Büro geschuftet. Also war er müde.
Daß es neue WG-Bewohner gab, war nicht so wichtig, die würde er schon noch kennen lernen. Hauptsache sie würden keine neunen Sitten einführen, wie ''Raucherfreie Zonen'', ''im Sitzen pinklen'', ''Roh- oder Trennkost'' oder ''mach-was-gegen-deinen-Frauenhaß''. Auf diese Dinge stand Chrizzy nun überhaupt nicht.
Als er die Bettdecke über die Ohren zog, hörte er in der Küche rumoren, laute Stimmen und Gelächter.
Nein, dachte er sich, bitte keine gute Laune! Und er schlief ein.

Andrea
17.10.2001,
11:37:20
Aus dem Wagen schob sich eine kleine, rundliche Frau. Die Haare schwarz und struppelig. Sie trug eine Schlaghose und ein recht vorteilhaft geschnittenes Oberteil. Plärren verfolgte sie.
Das Plärren kam von der Rückbank des Wagens. Dort saßen zwei kleine undefinierbar schreiende und quängelnde Kids.
Ein freundliches Lächeln auf den Lippen, trotz des ganzen Streß, drehte sie sich dem Haus zu und rief munter in den Wagen: ''Ja, jetzt sind wir da!'' Das Plärren verstummte mit dem letzten ihrer Worte. Neugierig linsten drei Augenpaare den aus dem Haus kommenden Personen entgegen.

Andrea (für Leon)
17.10.2001,
11:58:34
Einer der Schreihälse schälte sich aus seinem Kindersitz. Öffnete die Türe des Wagens und sprang mit erhobenem Holzschwert aus dem Auto. Landete sicher auf seinen Füßen. Seine Beinchen in einer dunkelgrünen Samthose und ein ebenfalls grünes T-Shirt an. Eine dicke Kordel als Gürtel umgeschnallt. ''ATTACKE'', brüllte er und rannte auf die anderen Bewohner zu.

Andrea
17.10.2001,
12:16:51
Andrea öffnete die Hintertüre auf der anderen Seite und befreite den Schildknappen vom Gurt. Der blondgelockte Bursche, etwa 90 cm groß, stampfte dem Jungen in grün hinterher und rief ''Harkaka''.

iris raya ko.
17.10.2001,
12:25:52
Iris hatte beim Hinausgehen mitbekommen, dass Chrizzy sich nach oben in sein Zimmer verzog. Sie nahm ihm das nicht übel und wunderte sich auch nicht darüber. So kannte sie ihn und so würde er immer bleiben. Kein Grund sich darüber aufzuregen.
Vor der Haustür stand bereits Carl und blinzelte ins Sonnenlicht, dem Auto entgegen.
„Wo bleiben Frauke und Backy? Haben die keine Lust?“, fragte sie ihn und sah sich suchend um.
Weil er nicht sofort antwortete, stupste sie ihm leicht mit ihrem Fuß gegen sein Schienbein.
Dann starrte sie zu dem Auto hin und verstand nun, warum ihr Mitbewohner nicht sofort antworten wollte. Verwirrt riss sie die Augen auf und erfasste die neue Situation nur langsam.

Kinder. Gleich drei auf einmal.

„Na dann wird sich unser Chrizzy ja freuen“, murmelte sie leise und wusste selber noch nicht so genau, ob sie glücklich oder entsetzt über die drei kleinen Racker sein sollte.

Andrea
17.10.2001,
12:28:16
(Korrigiert: Zwei Kinder!)

Carl, der...
17.10.2001,
12:43:31
Während alle am Fenster die Ankunft der neuen Mitbewohner beobachten, hält Carl sich bereits im Hintergrund. Wirft auch einen Blick in das vorfahrende Auto und glaubt schon so etwas wie ein Spielzeugschwert gesehen zu haben. ''Gott!'' denkt er bei sich, ''...die werden doch wohl nicht?''
Als Iris ihn draussen wieder einmal zärtlich mit einem neuen blauen Fleck am Schienbein versieht, reagiert er nicht einmal, sieht dann, den ersten Stops aus dem Auto springen. ''Oh Mann, KINDER!!'' entfährt es ihm. Ein ''Igittegitt'' murmelnd, winkt er einmal mit freundlich aufgesetztem Lächeln. Sein Hund Goliath, eine Mischung aus Deutscher Dogge und übergroßem Schäferhund sitzt neben ihm, blickt ihn an. Carl, der diesen Blick zu deuten weiß, sagt zu ihm: '' Klar, wenn du willst, spiel mit ihnen, aber verbuddel sie nicht wieder! Und freu dich nicht zu früh, deren Zwieback und Bananenbrei gehören mir, vielleicht lass ich dir das Honigbrot zum Frühstück. Na, lauf schon hin, und knurr sie wenigsten zu Anfang einmal an, du Schleimer.''

Andrea (für Leon)
17.10.2001,
12:55:12
Der grüne Bursche stoppt rutschend und schlittert auf Goliath zu. Das Holzschwert immer noch erhoben in der Hand. Harkaka-Knappe plumst beim Anblick des Hundes auf seinen Hintern. ''MAMA'', rufen beide aus vollem Halse, ''die haben nen Hund'', entspringt des Grünen Mundes. Der Knappe steht verwirrt auf und tappst dergleichen auf seine Mutter zu. Watschelnd schaukelt die Pampi dabei im Gegenschritt am Po hin und her.

Tom
17.10.2001,
13:12:44
Eine Hand an einer Festhaltestange, in der anderen einen schmierigen Zettel. Es muß ausgesehen haben, wie ein schlechter Tarzanfilm. Das Schaukeln des Busses, glich dem schwingen von Baum zu Baum.
Eine Adresse sollet auf dem leicht zerknüllten Zettel stehen, aber in welcher Sprache, fragte er sich. Das Entziffern der Schrift schien ihm sichtlich Probleme zu machen. Ab und an ein Blick aus dem Fenster. ''Verdammt'', fluchte er leise. ''Wer kennt sich schon in Münster aus?'', die gute Laune verschlechterte sich zunehmend.
Die eingestimmte Verärgerung hing noch immer in seinen Gedanken. ''Andrea'',brummte es. ''Danke das ich den Bus nehmen darf!!'' Nun glaubte er etwas entziffert zu haben. ''Süddeich, vielleicht?''
Während er den Zettel, wie ein Forscher der ein neues Projekt hat, unter die Lupe nahm, fuhr er geradewegs an der Aussteigehaltestelle vorbei.

Carl, der...
17.10.2001,
13:23:20
...sich grinsend einen Schritt nähernd, ruft Carl den Kindern zu:
''Keine Angst! ...der tut nix! ...der will nur Spiiielen...''
Und aus den Augenwinkeln heraus bemerkt er Chrizzy an seinem Fenster stehen. Ein Blick, ein Verständnis. Carls Grinsen breitet sich aus...

Andrea
17.10.2001,
13:26:52
Andrea stolzierte derweil mit dem 90cm-Burschen am Hosenbein auf Carl und Iris zu. Streckte die Hand aus und blieb hinter Leon stehen. ''Hi, ich bin Andrea'', mit ihrer tiefen, aber fraulichen Stimme,''das sind meine Kids - Leon'', damit wies sie dem grünen Schwertkämpfer den Namen zu,'' und Meo'', dabei schob sie das rechte Bein vor und der blongelockte Knappe fühlte sich angesprochen. ''Tom kommt nach, er hatte was zu erledigen und nimmt wohl den Bus!''

Andrea (für Leon)
17.10.2001,
13:31:46
Leon stand vom Boden auf und musterte aufmerksam den Hund. Prüfte die Größe abschätzend und grinste dann. Goliath schnupperte und der Geruch von Keksen, Brei und der Pampers stiegen ihm in die feine Nase.

Carl, der...
17.10.2001,
15:34:03
...und dann seinem Urinstinkt folgend, wendete er und trappelte ins Haus zurück. Prophylaktische Maßnahme. Carl, wusste sofort, er nahm seinen angestammten Platz zwischen Esstisch und Kühlschrank ein. Dort war sicher, dass ihm nichts vom jeweilig stattfindenen Lebensmittel-Transfer entging. Carl folgte ihm.

Tom ( für Tom)
17.10.2001,
15:51:02
Sich mittlerweile in Münster verlaufen hat.

Chrizzy
17.10.2001,
17:34:13
Der tosende Lärm vor dem Haus, ließ Chrizzy brummelnd aus seinem heiligen Bette steigen. ''Wer, zur Hölle... ''
Und am Fenster sah er das ganze Desaster. Die neue hatte ihre Brut mitgebracht!
Chrizzy warf sich wieder auf das Bett, um mit den Fäusten auf die Matratze zu hämmern!
Er HASSTE Kinder!!!
''Ich ziehe aus'', war der erste Gedanke nach seinem Wutanfall...

Frauke
17.10.2001,
20:11:18
Später sassen sie alle am Tisch. Frauke kam später, Backy gar nicht. Chrizzy setzte sich nun auch zum ersten gemeinsamen Abendessen zögernd dazu. Er hob nur
leicht den Kopf und musterte die Kinder, die ungeduldig auf ihren Stühlen rumrutschen.
''Bloss keinen Blickkontakt riskieren'', dachte er. ''Sonst nerven die mich noch.''

Iris hatte Pizza gemacht. Beim Anblick der Köstlichkeiten überlegte Chrizzy, ob er wirklich ausziehen sollte. Als dann alle zu essen begannen, spang der jüngste auf, zeigte auf Chrizzy und rief empört: ''Der Mann da hat das grösste Stück Pizza!''
Carl verschluckte sich. Chrizzy war starr vor Schreck und zog instinktiv seinen Teller an sich. Die Reaktion war so heftig, das seine Pizza zu Boden fiel. Goliath, der
komische Mischling, war mit einem Sprung am Platz und schnappte sich die Chrizzys Pizza und begann zu schmatzen.
Alles war still und der Hund dachte sich, welch' ein schöner Tag.
Chrizzy bekam eine grünliche Gesichtsfarbe....

Carl, der...
17.10.2001,
20:51:08
...wortlos stand Carl auf. Ein Blick auf Goliath genügte. Der Hund hielt ihm nur kurz stand, und sah dann geflissentlich in Richtung Leon, zeigte eine taktische Verlegenheitsmimik und wedelte verhalten mit dem Schwanz um sich auf diese Weise wenigstens ein bisschen dankbar zeigen zu können. Aufstehen und ihn herzlich abschlecken, war in dieser Situation nicht angemessen. Dies so wie es geschah, beobachtend, ergriff Carl, immer noch schweigend, Chrizzys Teller, ging zur Stätte der Speisung aller Vierbeiner, und lud drei volle Messbecher von Goliaths Lieblingsfutter auf Christophs Teller. Die bekannt freundlich zur Speisung ladenden Geräusche ließen Goliath aufspringen und hündisch lächelnd Unterwerfungsgesten produzieren. ''Das hast du dir fein gedacht! ...aber eben nur gedacht, mein Freund. Eine ganz einfache Rechnung. Du ißt, was des Chrizzy ist, also ißt Chrizzy was des Goliath!'' Mit diesen Worten stellte er Christoph, Goliaths Lieblingsfutter auf den Tisch. ''So, was Recht ist muss Recht bleiben.'' Setzte sich wieder und biss in seine Pizza.

Chrizzy
17.10.2001,
22:37:16
Beim kauen der Mafiatorte ging Chrizzy einiges durch den Kopf.
''Es ist ein Urtrieb sich fortzupflanzen. Die Macht der Gene. Gegen die kommt man(n) nicht an. Was solls. Kinder sind diejenigen, die für uns einmal das Grab schaufeln werden, wenn wir es nicht mehr selbst vermögen.''
Es war ein bedrohliches Schweigen in der Küche. Niemand wagte Chrizzy auch nur anzuschauen. Selbst die Kleinen nahmen wahr, daß hier etwas ungutes in der Luft lag, und klammerten sich instinktiv an ihre Mami.
Mit einem mal legte Chrizzy Messer und Gabel beiseite, schaute in die Runde und fing an zu lachen.
Erst juckte es Carl in den Mundwinkeln, dann grinste Frauke, Iris fing an zu kichern, alle fingen an sich vor lachen die Bäuche zu halten. Die Kinder jauchzten und trompeteten.
Chrizzy nahm sein Stück Pizza und warf es Goliath zu, der mal wieder die Menschen nicht verstand, aber sich erst nach der Verspeisung dieser außerplanmäßigen Spezialität um die unsinnigen Verhaltensweisen von Zweibeinern kümmern wollte.
Später saß Chrizzy mit Frauke allein auf dem Bett von Chrizzys Zimmer.
''Es ist schlichter Neid'', sagte er zu ihr.
''Es ist nichts weiter als Neid, etwas verloren zu haben, was sie noch besitzen, die Kinder.''
''Und'', fügte er hinzu, ''bitter, mit ansehen zu müssen, wie aus ihnen auch nur dummer, lieblose, phantasiearme und unfreie Erwachsene werden wie wir''...

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