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Titel: 

Geschenkwünsche/Wunschgeschenke

Kapitel 1 - 8 / 8

Nicole
11.08.2003,
16:53:48
Als er sich satt und zufrieden zurücklehnte und das Besteck auf den Teller legte, spürte er seine innere Anspannung wachsen. Jetzt war es soweit. Jetzt würden sie die Geschenke öffnen. Schließlich war Weihnachten und sie hatten vereinbart, die Bescherung nach dem Essen zu machen. Die Frau ihm gegenüber lächelte ihn an. „Jetzt sofort, oder erst den Nachtisch?“„Puh, auf jeden Fall erst die Geschenke. Erst muss alles ein bisschen sacken, damit für die Herrencreme Platz ist. Du hast doch Herrencreme gemacht, oder?“ „Natürlich, Herrencreme für den Herrn.“ „Und für die Dame?“ „Damen brauchen von Zeit zu Zeit auch einen Herrn, meinst Du nicht?“ sie blickte ihn gespielt kokett an. „Ja, manchmal bestimmt, aber auch mal einen Kerl, oder nicht?“ „Von Fall zu Fall....“ Einen kurzen Augenblick später fährt sie fort: „Ich räume eben den Tisch ab und dann kann`s losgehen. Mach du doch bitte schon mal die Kerzen an und das große Licht aus.“ Sie nahm zwei Schüsseln und verschwand damit in der Küche. Sie rief: “Ich bin schon seit heute morgen neugierig. Da ist noch ein Paket gekommen von meinen Eltern.“ „Aha, und auf mein Geschenk bist Du gar nicht neugierig“, fragte er jetzt anscheinend gekränkt. Sie kam wieder herein, legte ihm kurz die Hand auf den Rücken, während sie an ihm vorbei ging und sagte ernst:“ Dein Geschenk ist das allerwichtigste. Das weißt Du doch. Das geht weit über Neugier hinaus.“ Sie ging mit Geschirr in der Hand wieder zurück in die Küche.
Er suchte das Feuerzeug aus der Hosentasche und entzündete die kleinen Wachskerzen am Baum. So nervös war er Weihnachten noch nie gewesen. Aufgeregt schon, damals als Kind, aber noch nie nervös. Aber dieses war auch eine besondere Feier. Das erste Weihnachtsfest ohne seine Familie, das erste mit ihr. Sie hatten sich vor einigen Monaten kennen gelernt und angefreundet. Und nun dieser besondere Abend. Es war ihre Idee gewesen, Weihnachten gemeinsam zu feiern und sich gegenseitig die Erfüllung eines Wunsches zu schenken. Spontan hatte er ja gesagt, sich einen Augenblick später aber gefragt, wie er das seiner Familie beibringen sollte. Er hatte immer wieder beteuert, sie wären kein Liebespaar. Wenn er jetzt Weihnachten bei ihr wäre, würde ihm das niemand mehr glauben. Sie musste irgendetwas in seinem Gesicht gesehen haben, denn sie hatte schnell ergänzt: „Überleg es Dir in Ruhe, es eilt nicht.“ Da war ihm klar geworden, dass sie alleine sein würde, wenn er nicht käme und er hatte seine Zusage noch einmal bekräftigt: „Selbstverständlich feiern wir zusammen. Ich freu` mich schon drauf.“ Und in dem Moment wo er es sagte, wurde ihm bewusst, dass es wirklich so war. Er freute sich drauf.
Und jetzt war es soweit. Gleich würde sie seinen Umschlag öffnen, den Wunschzettel lesen und... Weiter wagte er gar nicht zu denken. Beim Anzünden der Kerzen stellte er sich immer fahriger an. Sogar seine Hände begannen leicht zu zittern. Oder bildete er sich das nur ein? Wie sie reagieren würde? Alles, hatte sie gesagt. Alles dürfe er sich von ihr wünschen. Sie würde es erfüllen. Und umgekehrt. Was er sich wünschte, wusste er bald. Doch überraschend schwer war das Ausformulieren und Aufschreiben. Er hatte viel aufs Spiel gesetzt. Vielleicht alles. Und nun...
Sie musste ein paar Mal hin und her gelaufen sein, zwischen Küche und Wohnzimmer, aber das hatte er gar nicht registriert. Zu sehr war er mit sich selbst beschäftigt gewesen. Der Tisch war jetzt abgeräumt und sie kam aus der Küche. Die Kerzen am Baum brannten und sie schaltete im Vorbeigehen die Deckenlampe aus. Im Kerzenschein kam sie auf ihn zu; in der Hand hielt sie zwei bunte Briefumschläge. Sein Herz klopfte heftiger. Darin waren die Wunschzettel. Weihnachtlich verpackte Geschenke stapelten sich unter dem Baum, doch sie spielten jetzt keine Rolle. Nervös starrte er auf die Umschläge in ihrer Hand Die Spannung war zu viel für ihn. „Du zuerst,“ stieß er hervor. Sie holte tief Luft und flüsterte: “In Ordnung“, aber ich muss mich setzen.“ Sie kuschelte sich in eine Sofaecke und zog sich ein Kissen vor den Bauch. Einen Umschlag hielt sie noch fest. Er sah, dass ihr Name darauf stand. Seinen hatte sie auf den Couchtisch gelegt. Er setzte sich in die andere Ecke und sah sie auffordernd an. Sein Herzklopfen hatte sich etwas beruhigt, die erste Gefahr war gebannt. Er atmete jetzt freier und versuchte einen Scherz: „Meine Meisterin, ich unterwerfe mich ihrem Wunsch. Sprechen Sie!“ Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse und antwortete: „Wart`s nur ab, du bist auch noch dran.“ Ihr Tonfall machte ihm erstmals klar, dass auch sie die Situation sehr ernst nahm und ihr Wunsch kein profaner war. Erst jetzt begann er sich zu fragen, was sie sich wohl wünschen würde. Bislang hatte er zu viele Probleme mit seinen Formulierungen gehabt, als dass er darüber nachgedacht hätte. Seine Neugier war erwacht und hatte seine innere Anspannung fast verdrängt. „Soll ich`s selbst lesen?“ „Nein, nein, lass mich nur.“ Sie riss den Umschlag auf, holte das gefaltete Papier heraus und öffnete es. Kurz überflog sie noch den Text, als kenne sie ihn nicht. Dann sah sie ihm einen Moment lang direkt in die Augen und begann: „Ich wünsche mir von dir...“

Chrizzy
14.08.2003,
20:21:53
Rückblende in den Sommer:

Die Medien sprachen von Rekordtemperaturen. Ihm war nur sein Schlafpensum rekordverdächtig.
Er hatte nichts weiter zu tun, als sich am Leben zu erhalten.
Das bedeutete nur die allernötigste Hygiene und Essen und Trinken einkaufen.
Er war jetzt schon ein Jahr arbeitslos. Und er verband diesen Umstand immer mit der Tatsache, daß er sich von jemanden getrennt hatte.
Es passierte zwar ein paar Monate später, aber im Grunde waren es ein und derselbe Stoß in die mentale Grube, in der er vegetierte.
Er trauerte. (Psycholgen würden sagen, er sei in einer mitteleren Depression.)
Trauerte er um seinen Job? Trauerte er um seine Ex-Freundin? Das war schwer zu sagen, auf jeden Fall ging nichts mehr weiter. Das Leben passierte ohne ihn.
Oft sah er bis spät in die Nacht Fernsehen. Harald Schmidt-Show auf Sat 1, Cartoons auf Super RTL und die Striptease-Frauen auf DSL.

Als er sie kennenlernte, ist etwas Wind in sein Leben gekommen. Sie mit den vielen, ungewöhnlichen Ideen, den überraschenden Ansichten und die unkomplizierte Art, alles kompliziert zu machen.
Er wußte von Anfang an nur eins: lieben würde er sie nicht.
Liebe war etwas zu starkes, zu großes und viel zu verantwortungsvolles, als daß er es eingehen wollte.
Außerdem, was ist schon dabei, sich von einer symphatischen Frau, die Langeweile zu vertreiben?
Also ließ er sich auf eine Art Freundschaft ein, eine Freundschaft, die er jederzeit durch ein Hintertürchen verlassen konnte, wie er meinte.
...

diana
14.08.2003,
20:59:28
Aber jetzt war Weihnachten und er fragte sich, ob er diese Freundschaft, für die er diese Beziehung hielt, wirklich nach diesem Tag noch durch ein Hintertürchen verlassen konnte.
Jetzt, wo sie da vor ihm sass, ihm in die Augen sah, kamen Zweifel in ihm auf ... Was, wenn Sie sich wünschte, mit ihm alt zu werden?
Was, wenn sie sich ein Kind von ihm wünschte ?
Er fragte sich zum ersten Mal -jetzt in diesen Sekunden- ob er ihr einen solchen Wunsch wirklich erfüllen wollte.
Er fragte sich, was passieren würde, wenn er auf ihre Frage: „Wirst Du ihn mir erfüllen?“ „Nein.“ antworten würde.
Er fragte sich, ob er in diesem Moment bereits das Zimmer verlassen sollte.
Er fühlte sich unwohl.
Sie hatte nicht weitergesprochen, sah ihn nur an.
Er ahnte, sie könnte die sich bildenden Schweissperlen auf seiner Stirn sehen.
Und da war auch ihre Frage schon: „Was hast Du denn Schatz? Geht es Dir nicht gut?“

Nicole
17.08.2003,
13:17:37
Sie klang besorgt: ''Du siehst aus, als wollte ich dich geradewegs zu Schlachtbank führen. Vertraust Du mir denn nicht? So wie mich ansiehst, könnte ich fast auf den Gedanken kommen, du unterstellst mir Heiratsabsichten und Kinderwunsch.''
Sie lachte, bis sie seinen Gesichtsausdruck sah; sein betretener Blick gab ihr Recht. Er schwieg.
Etwas beleidigt fuhr sie fort: ''Du solltest mich mittlerweile besser kennen! Du weißt doch, dass ich mit diesen kleinen, schreienden Windelnässern nix anfangen kann. Außerdem - nichts gegen dich, aber: Heiraten? Da kenn` ich amüsantere Wege, mir das Leben zu versauen. Also reg` dich ab, Schatz. Entspann Dich!''

diana
17.08.2003,
22:48:00
Er holte tief Luft, atmete entschlossen durch. Noch bevor sie wieder ansetzen konnte: „ Ich wünsche mir von Dir...“ unterbrach er sie: „ Nein, halt! Lass mich lieber zuerst ! Er nahm, nein, riss praktisch den Umschlag vom Couchtisch, fingerte nervös daran herum. „ Schatz?'', fragte sie ihn, sah ihn verständnislos an. „Du sagtest doch, ich sollte zuerst?....“ „Habs mir gerade anders überlegt“, meinte er, ein wenig zu schroff vielleicht.
Aber das war jetzt nicht mehr zu ändern. Die ganze Situation machte ihn einfach zu nervös.
Auch das Zittern seiner Hände bekam er nicht richtig unter Kontrolle, hatte Mühe, den Umschlag zu öffnen, schaffte es schließlich doch: „Also, ICH wünsche mir von DIR ...“ Er stockte.
Sie sah ihn an, abwartend. Was würde jetzt wohl kommen? Er fing an, zu stottern: „Hm. Äh.... Nein. Du doch lieber zuerst.“ Er bemühte sich um ein Lächeln, es gelang ihm aber nicht.
Sie räusperte sich kurz, setzte wieder an: „Ich wünsche mir von Dir ...“

Chrizzy
19.08.2003,
21:48:18
Rückblende in den Sommer, Teil 2:

Es war noch lange nicht Weihnachten, obwohl er die Winterzeit gerne mag.

Es schien, als sei sein verkorkstes Leben noch verkorkster als je.

Im Grunde hatte er alles, was er wollte, nämlich seine Ruhe!

Was für ein Dorn stoch ihn also, diese Frau immer wieder zu kontakten?

Die Hitze war vorbei, und es konnte passieren, daß es sogar mal regnete.

Er brauchte keine Frau in seinem Leben! Er brauchte kein Geschnatter und kein Gefick.

Alles, was er brauchte war eine Krankenschwester oder eine Sozialarbeiterin oder am Besten eine Psychologin, die 24 Stunden Bereitschaftsdienst bei ihm hatte.

(Ich glaube, einer von den Beach Boys hatte seinen Psychiater bei sich wohnen... )

Er brauchte keine Frau, sondern eine Mami! Jawoll!
Na ja, schon wieder all die Schläge???

Es war spät. Er hatte Durst.

Seine Lieblingsmarke Mineralwasser hatte der Supermarkt abgeschafft. Es war zufällig die billigste Sorte.

Er rief seinen Freund Carl an...



Chrizzy
30.08.2003,
18:34:30
Leise raschelte das Papier, auf dem ihr Wunsch an ihn stand und noch immer nicht ausgesprochen war.

Es sagte nichts mehr. Sie verstand es als Aufforderung.

Sie sprach: ''Ich wünsche mir von dir ein Liebesgedicht. Eins, das du an dich selbst richtetst!''

Er hob den Blick nicht, versuchte seine Tränen zu verbergen.

Sie hatte sich genau das von ihm gewünscht, wozu er nicht fähig war - sich selbst zu lieben. Nun sollte er den Anfang damit machen, und sich selbst durch die Augen eines Liebenden sehen.

''Wieviel Zeit habe ich?'' fragte er leise...

Nicole
03.09.2003,
11:54:35
''Heeyy'', sagte sie langsam und gedehnt, während sie sich aufsetzte und die Füße auf den Boden stellte. Einen Arm legte sie um seine Schultern, die andere Hand auf seine Wange und wischte mit dem Daumen eine Träne fort, als sie seinen Kopf an ihre Schulter zog. ''Heeyy, es ist alles gut.'' Sie hielt ihn einfach nur fest, während er weinte.
Kurze Zeit später befreite er sich aus der Umarmung und suchte in seinen Taschen nach einem Tempo.
''Ich...'' ''Ist schon gut, Du musst mir nichts erklären. Hier, nimm die.'' Sie reichte ihm eine Packung Papiertaschentücher, die auf dem Couchtisch gelegen hatte. Nachdem er sich geschnäuzt hatte, ging es schon besser. Jetzt konnte er sie auch wieder ansehen.
Sie grinste etwas schief und meinte: ''Komm in meine Arme und wein dich aus und wenn du fertig bist, dann tauschen wir die Plätze.'' Jetzt musste er auch grinsen. ''War ja auch mal Zeit, dass ich mich revanchieren konnte, so oft, wie du in letzter Zeit für mich Tröster sein musstest!''
Sie setzte sich wieder bequemer hin und zog auch wieder die Beine hoch aufs Sofa. ''Ich will Dir zu meinem Wunsch noch etwas erklären.''
Er nickte ihr auffordernd zu, sagte aber nichts; noch war er sich nicht sicher, ob ihm seine Stimme schon wieder gehorchen würde.
''Wie du weißt, war die letzte Zeit etwas schwierig für mich.'' Sie unterbrach sich, sprach dann weiter: ''Naja, etwas ist vielleicht untertrieben - es war schwierig für mich und du hast mir sehr geholfen. Einfach, indem du da warst und mir zugehört hast, immer wieder. Das kann nicht jeder! Und ich bin dir sehr dankbar dafür.'' Sie machte eine kurze Pause.
''Du bist mir sehr ans Herz gewachsen und ein guter Freund geworden und es ist mir wichtig, dass es dir gut geht. Aber das tut es nicht. Das macht mich traurig und ich würde dir gerne helfen. Das geht aber nicht. Ich kann dir nicht helfen, dich selbst zu mögen oder zu lieben. Das kannst nur du alleine und andere können dich dabei unterstützen. Also habe ich mir überlegt, dir dabei zu helfen, einen Anfang zu machen. Deswegen diese Idee mit dem Liebesgedicht.''
Sie sah ihn jetzt direkt an, als sie fortfuhr: ''Das wird sehr schwer werden für dich, das weiß ich. Aber ich bin immer da, dir zu helfen oder dich zu unterstützen, wenn du mich brauchst. Und viele andere Menschen auch, wie du weißt. Ich hatte keine Ahnung, wie ich dich dazu bringen sollte, dich mit dir selbst auseinander zu setzen, bis mir die Idee mit dem Wunschgeschenk kam. Ich hoffe, du bist mir nicht böse deswegen.''
Fragend sah sie ihn an. Er räusperte sich: ''Nein, ich....äh... nein, ich bin dir nicht böse...'' Schnell beugte sie sich vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
''Danke, da bin ich jetzt aber erleichtert'', seufzte sie. ''Ich hatte mir so vorgestellt, dass du dir das Liebesgedicht selbst zum Geburtstag schenkst. Da hast du dann etwas Zeit, aber nicht zu viel, um dich letztendlich zu drücken. Was hältst du davon?''

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